Vom Lido auf die Piazza San Marco (höchstens noch 2 km)
Ein sonniger Tag wollte genutzt sein, um zum Abschluss der Wanderung den Strand von Venedig zu genießen, direkt hinter meinem Hotel auf dem Lido. Und ganz italienisch habe ich mir einen Sonnenschirm mit Liege gegönnt, auf der es sich herrlich die Beine hochlegen lässt. Der weite Blick über das Mittelmeer Richtung Süden war insgeheim auch mein eigentliches Ziel. Aus der Perspektive gesehen ließ es sich nur mit dem Boot weiterfahren, also war ich als Wandersmann im mehrfachen Wortsinn am Ende angekommen.
Fehlte nur noch das Foto am Markusplatz. Dafür dann die letzte Schritte zum Vaporetto und rüber Richtung San Marco, dort würde ich schon einen potentiellen Fotografen treffen. Und als ich runter ging vom Boot war neben mir ein offensichtlich westeuropäischer Wandersmann, der sich mal so richtig auf der ersten Bank ausstrecken musste und wie ich nach Zielerreichung aussah, mit diesem leicht melancholischen Ausdruck, der bei dieser Gelegenheit einfach dazu gehört. Ich habe ihn dann einfach mal angesprochen und richtig, Philipp kam allein aus München und hatte gerade die Alpen hinter sich, wenn sein Weg auch nicht ganz so lang war.
Nach unserer Fotosession und einem gemeinsamen Drink unter Gleicherfahrenen habe ich ihn eingeladen, in dem von mir angemieteten Apartment zu schlafen, er hatte noch nichts gebucht. Mein lieber Freund Holger aus Genf hat sich erst für den heutigen Abend angesagt, so dass sein Platz noch frei war für eine Nacht. Eine überraschende Begegnung, sehr nette Gespräche und Austausch über das Wandern an sich, das Ziel Venedig etc., dann wurde auch noch in einer schönen engen Gasse gegessen. Ich habe mich gefreut, an diesem „Zielabend“ nicht alleine gewesen zu sein, davon hatte ich in letzter Zeit ja genug. Und das letzte Bier wurde dann auf der kleinen Innenhof-Terrasse getrunken, die mich an der Wohnung mitten im Herz von Venedig so gereizt hat. Einfach herrlich, von keinem noch so edlem Hotel zu toppen.
Jetzt sitze ich in der vielleicht schönsten, zumindest aber außergewöhnlichsten Stadt der Welt und es schüttet aus Kübeln. Ich denke an die vergangenen Wochen, Kilometer, Menschen, Hotelbetten, Wege, Untergründe, Wachhunde, Brücken, Ausblicke, Regenschauer, Biersorten, Gefühle, Wolkenformen und Schneckenarten auf dem Weg zurück. Für das Sortieren all dieser Eindrücke brauche ich wohl noch etwas Zeit.
Immer wieder aufgebaut haben mich eure Kommentare und Mails, liebe Blog-Freunde, auch das Wissen um eine Leserschaft irgendwo da draussen. Ich danke euch allen, es hat mir Spaß gemacht, euch an dieser Wanderung teilhaben zu lassen. Und wenn ich jemanden motivieren konnte, auch einmal den Ausbruch zu wagen: Es wäre mir ein Vergnügen. Um mit Julia Engelmann zu schließen:
‚Und eines Tages Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.‘
Am 27.6.2014 um 16:00 Uhr Rückflug nach Hamburg, Ende
…und die Walkingstöcke müssen mit zurück nach Hause, sie sollen auch mal fliegen dürfen. Hier in Venedig bleibt ein Stein aus dem Gartenteich in Hamburg, für hoffentlich noch sehr lange Zeit in einem der Kanäle.






