Von Cismon del Grappa nach Bassano (24 km)
Nun, da ich gestern ja ein Stückchen mit dem Zug gefahren war musste ich also zurück, um meine Laufpflichten auch den selbstgesetzten Regeln entsprechend abzuschließen. Was die Motivation angeht ist es ein zähes Brötchen, wenn man den eigentlich ja schon erledigten Weg nochmal erneut angehen muss.
So waren denn die ersten Kilometer im tiefen Tal der Brenta auf dem dort immer noch perfekten Fahrradweg auch etwas schleppend, aber nach dem ersten Kaffeestop am ‚Cyclogrill‘ ging es dann doch deutlich schneller voran. Auch hier hatte ich ja kein Gepäck dabei, das stand schon sicher im morgens noch schnell gefundenen schicken und modernen B&B an der Piazza Libertá, mitten in Bassano.
Die Wettervorhersagen waren eindeutig: bewölkt, ohne Regen. Nach knapp einer Stunde kam: Regen. Mal wieder diese dicken Sommertropfen aus kleinen, aber tiefschwarzen Wolken. Da auch meine Wetterjacke beim Gepäck war, musste ich mich drei mal unterstellen, erfreulicher Weise zweimal davon in einer Bar, so dass zumindest die Versorgung gesichert war. Auch wenn es nicht allzu heiß ist im Moment, 3 Liter Wasser brauche ich mindestens für knapp 25km. Dazu natürlich mein heiß geliebter Caffè an der Theke, wo man schnell ein Schwätzchen halten kann. Und mein Italienisch hat sich inzwischen schon merklich verbessert, auch weil ich zwischendurch immer mal wieder das Lexikon bzw. die Verbenschule auf dem iPhone bemühe, wenn ich bei meinen kleinen selbstgesteckten Aufgaben nicht weiter weiß.
Solange kein Verkehr kommt ist es ja auch kein Problem, sich zwischendurch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Irgendwann aber war Ende Fahrradweg und ich hatte die Wahl zwischen Straße mit nicht allzu viel Verkehr oder dem Sentiero del Brenta, also dem Uferweg, der aber anscheinend nur noch selten begangen wird und entsprechend verwahrlost ist. Dann doch lieber flott die Stöcke geschwungen und mit einem guten 6km/h-Schnitt die Asphaltroute im wörtlichen Sinne abgeklappert. Und plötzlich waren sie weg, die Berge. Einfach so, links und rechts wieder freier Blick in die Ferne, geradeaus die Ahnung von Küste, wenn auch zunächst mal nur in meinem Kopf. Fast etwas wehmütig war mir, als ich an viele schöne Strecken und Orte zwischen München und hier dachte, vielleicht kann ich meine Schweizer Wurzeln doch nicht ganz aus meinem Kopf und meinem Herzen verbannen, bleibt immer doch ein magischer Reiz der Bergwelt an sich, ob auf hohen Gipfeln, weiten Wiesen oder wie zum Schluss eingeklemmt zwischen steilen Felswänden.
Flott wieder in Bassano, flotter noch geduscht und auf, ins laute italienische Leben ‚in Piazza‘ gestürzt. Am zweiten Tag fühlt man sich schon ziemlich dazugehörig, auch morgen wird quartiersmäßig noch hiergeblieben. Endlich mal Zeit für etwas Jazz-Kultur, die alte Holzbrücke über die Brenta wird dann zur Bühne umfunktioniert. Wie auch in anderen Teilen Europas beginnen die weißen Nächte, le notte bianche. Und da werde ich natürlich nicht fehlen, wenn ich denn schon wieder einen Teil meines Restprogramms erledigt haben werde. Keine 100 km mehr bis zum Markusplatz…
Morgen weiter Richtung Padua
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