An der Unstruth

Von Breitenworbis nach Mühlhausen/Thüringen (27,8 km)

Herrlich sonnig, drohende Cummulus in der Ferne, ätzendes Straßelanglaufen über mindestens 15 km ohne Fußweg. Phantastischer Blick runter nach Mühlhausen, sogar den Thüringer Wald konnte man am Horizont in unscharfem Dunkelgrau erkennen. Da soll’s bis zum Wochenende hingehen, herrlich. Die Füße sind zwar fix und fertig, regenerieren aber immer schneller jetzt von Tag zu Tag. Immerhin etwas.
So, Wäsche ist schon parallel mit der Dusche erledigt, das REI wieder in der Tube und ich erkunde jetzt das Mühlhäuser Nachtleben an Walpurgis (Merke ich mir jetzt, Alexander :-). Fürchtet den Wanderschaufel, ihr Hexen da draussen!

Morgen nach Bad Langensalza

Eichsfeld, du sonniges

Von Bad Lauterberg nach Breitenworbis (29 km)

Nach letztem Frühstück mit der Rentnergang ging es bei strahlendem Sonnenschein (Vor zwei Tagen war der obligate Blick auf die Wetter-App noch wenig verheißungsvoll) erst einmal Richtung lokaler Orthopäde. Dieser hat gestern nach Begutachtung meiner geschundenen Füße die Idee von Sporteinlagen ins Spiel gebracht und ich habe mich entschlossen, statt neuer Schuhe erst einmal auszuprobieren, meiner Fuß-Bein-Symetrie eine Optimierung zu gönnen. Also Einlagen eingelegt, eingelaufen und dann frohen Mutes die Straße nach Süden in Richtung Thüringen eingeschlagen.

…und tatsächlich im Eichsfeld gelandetet, mit sehr schweren Füßen, aber überglücklich, endlich wieder weiter gekommen zu sein. Jetzt abspannen in der Weißen Mühle Breitenworbis.

Morgen dann hoffentlich weiter nach Mühlhausen/Thüringen

PAUSE – Harzer Gallerie

In Bad Lauterberg

An diesem langweiligen Pausentag versuche ich mich gerade an einer Galerie für euch, geneigte Follower, aber ich arbeite noch dran. Draussen regnet es in Strömen, meine Füße genießen das Nichtstun, im Gegensatz zum Rest vom Wanderschaufel, den es längst weiter zieht. Doch jetzt bleibt es bei der Pause, bis es dann Dienstag – hoffentlich in alter Frische – weiter geht.

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Waldwege, Weitblicke, Wetterlaunen

Von Altenau nach Bad Lauterberg (26 km)

Ach, was so ein Ruhetag doch bewirken kann: Neuen Mut, scheinbar leichte Füße, Weiterwandernlust, alles mit dem Ausblick auf eine der schönsten Etappen meiner Route. Und so ging es denn auch frohgemut los, nicht ohne ein Abschiedsfoto mit meinen lieben Altenau-Wirten, bei denen ich auch gerne noch zum Grillbuffet geblieben wäre.

Alsdann: Steil bergauf bis zum ersten Höhenzug. Durch dunklen Wald, aber mit der Sonne auf den Wegen. Wie wasserreich die Gegend doch ist, überall plätschert und rauscht es. Andere Wanderer? Komplette Fehlanzeige, ich scheine den Harz für mich zu haben, von den Mopedfahrern abgesehen auf der Bundesstraße, die ich aber nur kreuzen musste.

Einsam und perfekt gespurt weiter ins Sieber-Tal, aber da ging der Ärger mit meinen Vorderbändern am Fuß auch schon wieder los. Salben half nur kurzfristig, es wurde einfach immer schlimmer. Dann die Sieber überquert und den nächsten Anstieg von gut 400 Metern schwitzend, aber nicht ganz so schmerzhaft überstanden – rauf geht es einfach deutlich besser. Auf der Höhe ein phantastischer Weitblick über den ganzen Harz bis zum Brocken, dessen Betonplateau ich aber schon einmal besteigen durfte und der mich kein zweites Mal sehen wird.

Bei Sonnenschein mit zuhause telefoniert, wo es aber schon mächtig rummste im Hintergrund. Gewitter waren unterwegs, auch über Altenau konnte man gut die bedrohliche Wolke ausmachen. Auf meinem Talweg kam es dann wie aus heiterem Himmel: Sonne weg, 1-2-3 und Schütt, aber wie aus riesigen Himmelskübeln. Juchhe, auch Hagel war fröhlich dabei. Dem Wandergott sei dank war nur 50 Meter entfernt eine große offene Wellblech-Garage für Waldfahrzeuge, wo ich immerhin eine trockene Euro-Palette als Sitzmöbel fand und mir fast eine Stunde diese Wasserspiele auf dem und im Wald vor mir ansehen durfte. Heftig, aber letztlich glücklich für mich, ein Dach zu haben, so dass der ultimative Härtetest für meinen Regenschutz erspart blieb.

Und dann noch weitere 8 km ablaufen, die Forststraße hinab und mit reichlich schrägen Liedgut auf den Lippen, um nicht zu sehr an die lädierten Füße zu denken. Dabei dampfte und nebelte es um mich herum und die ersten zurückkehrenden Sonnenstrählchen brachten eine ganz wunderbar helle und zarte Grünskala der Bäume und Sträucher um mich herum zum Vorschein, wie sie nur nach echtem Starkregen zu erleben ist. Wie passend, dass die Unterkunft im Kurort hier auch noch dem Kneipp-Bund gehört. Also ganz im Sinne des Bäderpastors erst mal ein Fußbad (kalt) genommen und dann in den Pool gehüpft, bevor es an das abendliche Grillbuffet ging, zusammen mit den üblicherweise hier beherbergten Senioren („Wir sind schon zum fünften Mal hier!“) und der aktuell anwesenden Yoga-Gruppe aus Göttingen (Letzteres eine pure Annahme von mir, würde aber bestens passen). Sehr schön: Großes Zimmer mit Balkon zum Garten.

Es sieht so aus, als ob jetzt mal medizinische Konsultation gefragt wäre. Aber hier im Kurort sollte das ja auch an einem Sonntag kein Problem sein. Eventuell muss ich dann eben mal 2-3 Tage Pause machen, so komme ich auf jeden Fall nicht weiter.

Morgen wahrscheinlich Auszeit

Tag 12: Ruhe im Harz

In Altenau (0,000 km)

Nein, geneigte Leserschaft,
heute keine Wanderkarte vom Wanderschaufel, heute bleiben die Stöcke in der Ecke stehen. Wenn auch die Füße am Morgen so tun, als wäre alles in bester Ordnung, so ist doch ein Tag der Schonung dringend angezeigt. Und schöner als hier in Altenau, mitten im Harz bei Kaiserwetter – oder Sonnenschein, für die Nicht-Royalisten – kann es kaum werden. Naja, vom Spritz in Venezia mal abgesehen, aber bis dahin soll es wohl noch einiges dauern.

Also später noch einmal in die Kristall-Therme um die Ecke, hauptsache die feiern nicht wieder die Kristallnacht, wie letztes Jahr geschehen. Morgen gehts weiter, jetzt erst mal nach nebenan, Zimmer klar machen. In meiner aktuellen Herberge Quellenhof fällt heute Abend der Honda Goldwing-Club aus Berlin ein. Na, dit mag wat werden…


Ergänzung: Wie von mir mit der Hausherrin gewettet hat ein Gast aus der Honda-Gruppe abgesagt..macht ein Gratis-Bier für mich später und das selbe Zimmer auch wieder für die kommende Nacht. Dann aber morgen unbedingt früh weiter, die Strecke wird nicht kürzer. Dafür steigt der Erholungswert ungemein, wenn man sein Quartier sicher weiß. Therme spare ich mir heute, bin noch ganz gesalbt und gepeelt vom gestrigen Salz-Aufguss. Habe immerhin einen kleinen Gang in den Ort gemacht (steil!) und mir nicht nur Naschies und Bananen gekauft, sondern mir auch von der Küsterin die Heizungsanlage der Holzkirche von 1670 (wieder aufgebaut!!) erklären lassen. Leider keinen Pilgerstempel für mich, die ich doch so gerne in mein Büchlein sammle…

P.S. Ruhetagsgedanken:
Eigentlich hatte ich mal gedacht, dass mein Blog philosophischer ausfallen würde. Aber tatsächlich bin ich schon sehr gefangen in der Betrachtung der vielen unterschiedlichen Landschaften, Gegenden und Menschen(typen) auf meinem Weg, dass ich viel mehr über Deutschland als Reiseland staune als gedacht. Vielleicht brauche ich ja mehr Wandertage in ätzendem Starkregen und nicht so eine Kurpartie bei fast immer herrlichem Wetter. Sei’s drum, genieße ich eben. Jetzt wieder Diclo-Crèmestunde, dann weiter Beine hoch.

Harzer Höhen

Von Goslar nach Altenau (18 km)

Der erste richtige Bergtag fing mit Kaffee im Fachwerkhaus meines Gastgebers an, alleine mit seinem Sohn, der sich mit Halsschmerzen nicht „schulreif“ fühlte. In der dritten Klasse auch noch nicht soo schlimm..nachdem ich mich verabschiedet hatte ging es um Goslar auf Höhenwegen herum, dann wartete das Tal der Oker. Und wenn ich auch nach Nebenstrecken Ausschau gehalten habe war es doch ein Aufstieg zum Oker-Stausee im Wesentlichen parallel zur Straße. Aber immer wieder ging es zu Strinklippen hi auf oder hinab, stetig das Rauschen der Oker im Ohr. Und es ging hoch und höher und meine Füße taten weher und weher, bis ich dann,meiner Karten-App ForeverMaps folgend auch noch eine zusätzliche Kuppe übersteigen durfte. Diese aber komplett alleine, ohne weiter Wanderer und mit sehr dichtem und dunklem Wald.

Mühsam nur ging es weiter hoch nach Altenau in den Gasthaus Quellenhof, wo ich ausgesprochen nett und herzlich empfangen wurde. Wie sich herausstellte, sind die Besitzer erst vor drei Jahren aus ihrem Angestellten-Leben ausgestiegen, um sich hier mit Pension und Restaurant selbständig zu machen. Liegt es an solchem Idealismus, den man mitbringt, damit man sich als Gast wohlfühlt? Warum findet man auf seinen Wegen durch die Provinz nur so viele griesgrämige Menschen, die dann auch noch meinen, ein Weizen auf den Tisch zu knallen wäre Service. Gott sei Dank ist es hier anders und das Zimmer geräumig, mit großem Waschbecken für die tägliche Rei-In-Der-Tube-Wäsche. Alles Verschwitzte wird sofort wieder gewaschen, das gehört inzwischen zur Routine wie auch das Ankommens-Weizen, welches sich meistens auch noch multipliziert. Um welchen Faktor sage ich hier natürlich nicht…

Morgen eventuell Ruhetag oder 24 km nach Bad Lauterberg >uff<

Auf zur Kaiserpfalz Goslar

Von Liebenburg bis Goslar (14 km)

Im Anmarsch auf den Harz ging es zunächst über die Felder, bis irgendwann Goslar anfing, aber trotzdem noch so mancher Kilometer an der Straße gegangen werden musste. Auch in dieser Erholungslandschaft zersiedelt sich die Industrie und die Baugebiete immer weiter raus. Obwohl wenn ich ja zu innerer Einkehr finden wollte, bisher ist das Gehen an sich Beschäftigung genug, wenn die Sehnen streiken.
Tatsächlich konnte ich dann meinen Rucksack im schicken Herrenmodengeschäft bei Herrn Helmbrecht abgeben. Erholung pur, ohne Gewicht laufen zu können. Mit Tipps ausreichend versorgt war es eine Freude, sich diese wirklich tolle Altstadt zu erlaufen und das UNESCO-Geld gut angelegt zu sehen. Die Kaiserpfalz unterstreicht ihre Bedeutung durch den stolzen Eintrittspreis von 7,50€, dabei ist an Bildern hauptsächlich Historismus aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, was mich die Führung dann vorzeitig abbrechen ließ, nach all Sachsen, Salingern, Hohenzollern etc.
Mein Couchsurfing-Gastgeber Alexander holte mich dann nach seinem Schichtende ab und gemeinsam haben wir für eine ordentliche Spaghetti Carbonara eingekauft, über die sich dann auch sein Sohn gefreut hat. Ungewohnt für mich, ein reiner Männerhaushalt für einen Abend. Toll, wen man so über couchsurfing.org kennen lernen kann. Alexander hat schon einiges an Erfahrungen und ist überhaupt in seiner Heimatstadt und für seinen Sohn ein sehr engagierter Mann, meinen Respekt. Danke nochmals!
Die beste Frage: Was machst du denn Walpurgis? Hier im Harz kennen alle die Nacht vor dem 1. Mai unter diesem Namen, ich brauchte Brauchtumsübersetzungshilfe.

Vor’m Couchsurfen allerdings kam in der City von Goslar aber auch noch der Barbier zu seinem Recht. Ein bisschen Pflege darf es ja gerne sein auf meinen langen Wegen, bin halt nur bedingt der ganz wilde Typ. Und auch mein Bart kommt zwischendurch wieder ab, meine geliebte Frau 😉

Morgen nach Altenau

Durch Salzgitter

Von Söhlde nach Liebenburg (27,6 km)

Der Morgen hat mit einem tollen Frühstück allein im Gästehaus Ottilienhof angefangen. Neue Zimmer im alten Bauernhaus, Nobelhütte, leicht bayerisch angehaucht. Nachdem am Vortag das einzige Restaurant geschlossen hatte und es nur Döner gab als einzige Alternative, hat mich das frische Brötchen und der Aufschnitt sehr gefreut.
Dann ca. 12 km Straße laufen bis Salzgitter-Lichtenberg, wo ich ja schon mal ein Jahr gearbeitet hatte. Im Lichtenberger Hof bin ich manches Mal abgestiegen, diesmal war es nur ein alk-freies Weizen bei Fam. Lewandowski, die mich aber wiedererkannt haben. Vorher noch die Rundumverarztung: Voltaren Pillen und Gel jetzt am Start, dazu ein Magenmittel, damit man das Zeug auch länger aushält, wonach es bei mir unbedingt aussieht.
Weiter dann durch einen zunächst eher langweiligen Wald, dessen Weg aber dann in eine MTB-Strecke überging, und die war über 3 km einfach nur noch Matsch! Das Leid habe ich mir dann mit zwei Radeljungs geteilt, die einfach nicht an mir als altem Schlammwanderer vorbei kamen.
Nach der Begegnung mit dem doch recht trüben Salzgitter-Bad -auffallend viele Herren mit ungepflegtem grauen Haar und Plastiktüten voller Bier – ging es dann am Golfplatz vorbei so richtig in den Harz hinein. Die Industrie habe ich irgendwie komplett umgangen und ich freue mich auf eine gute Zeit im Harz. Übernachtung mit diversen Monteuren etc. im Hotel zur Post.

Morgen dann Goslar mit Stadt- und Pfalzbesichtigung und danach Couchsurfing bei Alexander. Sein Großvater passt in seinem Herrenbekleidungsgeschäft auf meinen Rucksack auf, schon organisiert. Bin total begeistert 🙂

Ostermontag über Land

Von Peine nach Söhlde (17 km) am Ostermontag
(leider mit fehlenden Wegpunkten zwischendurch…)

Nach einer guten Nacht und einem noch besseren Frühstück bei meiner lieben Couch-Gastgeberin Connie bin ich unter drohenden Wolken weiter meines Weges nach Süden gezogen. Das richtige Vorsommer-Feeling will sich aber trotz 16 Grad noch nicht einstellen. Bin noch zu sehr mit meinem linken Fuß beschäftigt, der aber dank Mobilat und Ibu-Profen (Danke, Connie!) zumindest auszuhalten ist.
Die meiste Zeit der Strecke ging es an der Straße entlang, nur wenige Highlights waren zu entdecken. Hauptsächlich weite weite Landschaften mit Windspargeln und der Ahnung des Harzes im Hintergrund. Zumindest der Raps ist hier aber schon deutlich weiter als im Norden. Dafür scheint man sich hier in der Gegend weniger mit Tieren zu beschäftigen. Das war in der Heide mit vielen Kuh- und Hühnerställen und noch mehr Pferdehöfen schon anders. Die Menschen hier scheinen sich hier eher um ihre Rasenflächen und Vorgärten zu kümmern, wenn sie nicht gerade in der hiesigen Industrie arbeiten. Die allerdings will ich morgen möglichst umgehen und mir mal wieder eine waldreichere Strecke gönnen.

Morgen nach Liebenburg..

Ende der Heide, jetzt nach Peine

Von Bröckel nach Peine (24,3 km)

Warmes Ostersonntagwetter, kaputte Füße. Aber das Weizen schmeckt:-)

Dann zum ersten Mal mich auf Couchsurfing eingelassen, zu finden auf couchsurfing.com. Connie aus Peine hatte mir schon vor Wochen eine Übernachtung angeboten und nun saßen wir einen sehr netten Abend lang beim Italiener mit herrlichen Nudeln und einer weiteren Flasche philsophischem Rotwein auf ihrem Balkon. Diese Art der Gastfreundschaft ist wirklich mal eine digitale Bereicherung und es ist wunderbar, aufgeschlossene Menschen wie Connie treffen und auf solch einem Weg neue, interessante Menschen kennen zu lernen. Ich durfte das Zimmer ihres Sohnes belegen und habe mich sehr gefreut, nicht anonym in irgendeinem Gasthof/Hotel abhängen zu müssen. Empfehlenswert!

Morgen weiter nach Söhlde.