Von Altenau nach Bad Lauterberg (26 km)
Ach, was so ein Ruhetag doch bewirken kann: Neuen Mut, scheinbar leichte Füße, Weiterwandernlust, alles mit dem Ausblick auf eine der schönsten Etappen meiner Route. Und so ging es denn auch frohgemut los, nicht ohne ein Abschiedsfoto mit meinen lieben Altenau-Wirten, bei denen ich auch gerne noch zum Grillbuffet geblieben wäre.
Alsdann: Steil bergauf bis zum ersten Höhenzug. Durch dunklen Wald, aber mit der Sonne auf den Wegen. Wie wasserreich die Gegend doch ist, überall plätschert und rauscht es. Andere Wanderer? Komplette Fehlanzeige, ich scheine den Harz für mich zu haben, von den Mopedfahrern abgesehen auf der Bundesstraße, die ich aber nur kreuzen musste.
Einsam und perfekt gespurt weiter ins Sieber-Tal, aber da ging der Ärger mit meinen Vorderbändern am Fuß auch schon wieder los. Salben half nur kurzfristig, es wurde einfach immer schlimmer. Dann die Sieber überquert und den nächsten Anstieg von gut 400 Metern schwitzend, aber nicht ganz so schmerzhaft überstanden – rauf geht es einfach deutlich besser. Auf der Höhe ein phantastischer Weitblick über den ganzen Harz bis zum Brocken, dessen Betonplateau ich aber schon einmal besteigen durfte und der mich kein zweites Mal sehen wird.
Bei Sonnenschein mit zuhause telefoniert, wo es aber schon mächtig rummste im Hintergrund. Gewitter waren unterwegs, auch über Altenau konnte man gut die bedrohliche Wolke ausmachen. Auf meinem Talweg kam es dann wie aus heiterem Himmel: Sonne weg, 1-2-3 und Schütt, aber wie aus riesigen Himmelskübeln. Juchhe, auch Hagel war fröhlich dabei. Dem Wandergott sei dank war nur 50 Meter entfernt eine große offene Wellblech-Garage für Waldfahrzeuge, wo ich immerhin eine trockene Euro-Palette als Sitzmöbel fand und mir fast eine Stunde diese Wasserspiele auf dem und im Wald vor mir ansehen durfte. Heftig, aber letztlich glücklich für mich, ein Dach zu haben, so dass der ultimative Härtetest für meinen Regenschutz erspart blieb.
Und dann noch weitere 8 km ablaufen, die Forststraße hinab und mit reichlich schrägen Liedgut auf den Lippen, um nicht zu sehr an die lädierten Füße zu denken. Dabei dampfte und nebelte es um mich herum und die ersten zurückkehrenden Sonnenstrählchen brachten eine ganz wunderbar helle und zarte Grünskala der Bäume und Sträucher um mich herum zum Vorschein, wie sie nur nach echtem Starkregen zu erleben ist. Wie passend, dass die Unterkunft im Kurort hier auch noch dem Kneipp-Bund gehört. Also ganz im Sinne des Bäderpastors erst mal ein Fußbad (kalt) genommen und dann in den Pool gehüpft, bevor es an das abendliche Grillbuffet ging, zusammen mit den üblicherweise hier beherbergten Senioren („Wir sind schon zum fünften Mal hier!“) und der aktuell anwesenden Yoga-Gruppe aus Göttingen (Letzteres eine pure Annahme von mir, würde aber bestens passen). Sehr schön: Großes Zimmer mit Balkon zum Garten.
Es sieht so aus, als ob jetzt mal medizinische Konsultation gefragt wäre. Aber hier im Kurort sollte das ja auch an einem Sonntag kein Problem sein. Eventuell muss ich dann eben mal 2-3 Tage Pause machen, so komme ich auf jeden Fall nicht weiter.
Morgen wahrscheinlich Auszeit
