Wanderlust und Wolkenbruch

Vom Lago di Caldonazzo nach Borgo Valsugana (19 km)

Ach wie schön sonnig der Tag doch angefangen hat. Nicht zu heiß, der gröbste Blues überwunden und fröhlich nach einem ausgiebigen Frühstück losgetiegert, ohne Straßenverkehr, dafür mit Heerscharen von Radfahrern, am Anfang noch bestehend aus gerade wieder ausgenüchterten Holländern nach ihrem 5:1 Erfolg gegen Holland bei der WM am Vorabend, später zunehmend echte Sportstypen, immer in fachgerechter hautenger Bekleidung, zumeist auch wirklich Italiener. Tatsächlich merkt man erst bei meiner Langsamkeit, wie ernsthaft hier Rad gefahren wird, so wirkt es zumindest.

Also immer schön entlang der Pista Cyclabile, bestens ausgebaut, noch den Drachenfliegern aus den Bergen beim Landen zugeschaut – und dann wurde es immer dunkler und dunkler. Bisher hatte ich zwar auch schon mal Regen zwischendurch, aber was auf den letzten 5 Kilometern auf mich herunter gegossen wurde übertrifft an Regenmenge die Summe der gesamten Reise vorher. Tatsächlich hätte sich wohl jeder Goldfisch in meinen Schuhen pudelwohl gefühlt, war es am Ende doch wie ein Aquarium, was ich an den Füßen herum geschleppt habe. Brav und wohlerzogen habe ich natürlich kurz vor meinem Hotel die Schuhe noch ausgezogen und -geschüttet. Leider sieht es für die nächsten Tage nicht besser aus hier.

Nachdem alles versorgt, gewaschen und trockenbereit geordnet war im Zimmer ein bisschen mit neuem Mut durch den Ort gegangen, auf einen Spritz zum ankommen. Nach einer Stunde waren es dann schon fünf davon und ich hatte einige neue Freunde aus der Lokalprominenz, die mich in ihrer Stammbar gleich mal unter ihre Fittiche genommen und ziemlich fix abgefüllt haben. Stefano, der lauteste und trinkfreudigste (!?!) ließ es sich auch nicht nehmen, mir noch eine Flasche Rotwein mit auf den Weg zu geben. Das habe ich genossen, in solch einer Runde auf der Piazza zu sitzen und an meinen Sprachkenntnissen zu arbeiten. Habe auch drauf bestanden, nur Italienisch zu sprechen, inzwischen übertreffe ich damit die meisten Einheimischen, die mich mit ihrem sehr stark gefärbten Englisch beeindrucken wollen, was aber meistens nicht besonders weit reicht. Aber lange gehen solche Runden eigentlich nie in Italien, das kenne ich schon, insbesondere da morgen für drei der Jungs ein Radrennen ist, wie passend, wenn auch nur 57 km. Quasi wie Short Track beim Langlauf.

Heute gelernt: Nur gutes Wetter allein macht noch keine gute Laune, erst recht keine Wanderlust (Danke Jan für deinen schönen Fremdworthinweis!). Manchmal ist ein erfrischender Regen nicht nur für ein Fußbad gut.
Das hatte aber auch schon Wirt Hans von der Tutzinger Hütte festgestellt.

Morgen weiter entlang der Brenta, Streckenlänge wetterabhängig