Die Inseln der Fischer

Von Chioggia auf den Lido (20 km zzgl. Vaporetto)

Nein, alles kann man eben nicht laufen, von Hamburg nach Venedig. Es gibt viel Wasser auf dem Weg, nicht immer Brücken, so dass auch die Schiffe zu ihrem Recht kommen müssen. Und hier fahren auch die Busse mit, denn wie der Lido ist auch die langgestreckte Pellestrina eine Insel „con macchine“, also autobefahrbar (Herrlich, das in Italien alle Autos weiblich sind, habe ich oft entlang des Verkehrs dran gedacht. Una BMW oder una Audi klingen allein geschlechtsmäßig viel weniger gefährlich, jedenfalls kann man es sich gut einreden, wenn sowieso nichts anderes mehr hilft).

Die herrschende Schwüle macht das Gehen zäh, da musste auch schon mal am Ende der ersten Hälfte ein Spitz her, natürlich extra verlängert mit viel Wasser. Erstaunt hat mich, wieviele Menschen anscheinend immer noch vom Fischfang leben, ohne natürlich zu wissen, wie gut es ihnen im Einzelnen damit geht. Und auch wenn ich gefragt hätte: Stöhnen ist erste Bürgerpflicht in Italien (nur dort?) und zweitens ist der Dialekt einfach zu hart für mich, der ich mich doch inzwischen recht gut in richtigem Italienisch unterhalten kann. Aber Veneziano ist eben eine ganz andere Sache.

Also weiter die Flotte entlang, mit der Fähre auf den Lido übergesetzt, der auch nicht so rechte Nobelstimmung aufkommen lassen wollte, ist doch alles ziemlich industriell, schmuddelig und auf mich heute gar nicht wirklich einladend wirkend. Aber was habe ich erwartet? Hier wird ge- und überlebt, jeder nicht südländisch wirkende Typ in schlechtem Englisch angesprochen, was ich mir zwischendurch schon ein paar mal massiv verbeten habe. Will ich nicht, sprech‘ ich nicht. Und die Einheimischen hier eigentlich auch nicht wirklich.

So bin ich nun entlang der Strandpromenade die letzten Meter in meinem rumänisch geführtem Hotel angekommen, in einer komischen Stimmung zwischen immer noch unterwegs sein und das Ziel eigentlich schon erreicht zu haben. Aber bevor ich das in meinem Herzen und in meinem Kopf verinnerlicht habe bin ich bestimmt schon wieder zu Hause. Jetzt zumindest ist alles noch nicht so richtig sortiert. Macht nichts, erst mal muss ich sowieso was essen gehen, da drängelt sich Hunger vor Sentimentalität. Hilfreich, dass der Mensch so funktioniert.

Morgen auf die Piazza San Marco