Vom Hopfen zur Lederhose

Tag 36: Von Pfaffenhofen nach Hohenbercha (20 km)

Die 6. Woche der Wanderschaft ist angebrochen und der weiß-blaue Himmel voller Flugzeuge (ein bisschen auch der Bauch angesichts meines großen Zwischenzieles) sagt mir, dass ich nicht mehr weit entfernt von München sein kann. Tatsächlich kannte ich diese Gegend bisher eher von diversen Landeanflügen, jetzt darf ich die Jets mal vom Boden grüßen. Und das aus dieser immer noch sehr landwirtschaftlich geprägten Gegend. Natürlich ist das wichtigste, im gestrigen Beitrag gesuchte und vor allem teuerste Produkt hier der Hopfen, der nur in sehr wenigen Weltgegenden in der brauereiseitig geforderten Qualität entsteht. Hier hat jeder eine Fläche rumstehen, groß auf dem Feld oder auch klein im – zumeist ziemlich großzügig geratenen – Garten

Immerhin: Es gibt auch noch genug Wald, durch den ich mich heute, am ersten wirklich warmen Tag des Mai, per iPhone navigieren durfte. Da gibt es schon mal Missverständnisse und es endet schnell auf einem tiefmatschigen Weg, der dann eben quer durch die Bäume umgangen wird.
Das kostet Zeit, das kostet Kraft, und an das echte Wärme-Schwitzen habe ich mich auch noch nicht gewöhnt. Daher klingt diese Etappe heute etwas früher aus als geplant, denn ich muss auch noch froh sein, ein Hotel für NUR 59€ gefunden zu haben. Zwischendurch schon ordentlich Smartphone recherchiert und telefoniert, aber hierher reicht der Kostenarm von Deutschlands teuerster Stadt allemal, es sind ja nur noch 25 km bis zur Leopoldstraße. Genau dort um die Ecke habe ich mir für die nächsten drei Tage ein AirBnB-Quartier besorgt, wo ich mich schon drauf freue, endlich mal wieder selber etwas kochen zu können. Das gehört zu den Dingen, die ich unbedingt vermisse aktuell. Neben meiner Familie natürlich, an die ich viel denke, auch und gerade wenn ich ganz bei mir bin. Und das bin ich oft und gerne und genieße es.
Ansonsten lautet der Plan, der aktuellen Sommerwetterlage entsprechend: an der Isar liegen und die Beine endlich mal wieder etwas länger zu schonen, bevor die Alpen kommen. Einen Schatten davon konnte ich heute schon von einem der vielen Hügel hier erblicken.
…und das ist jetzt hier in der Wirtschaft von Andreas Hörger die erste Terrasse mit lederbehosten Kellnern. Neben den nur durch höchste Konzentrationsleistungen zu verstehenden Einheimischen ein unbedingter Schuss Lokalkolorit der klischeehaften Art.

Morgen dann nach München-Schwabing. Wird die Sprache da deutlicher?