Hinter Erlangen

Von Hallerndorf nach Marloffstein (24 km)

Vom Klopfen der Schnitzel geweckt im Gasthaus Schwarzmann ergab der Blick aus dem Fenster den Hinweis auf einigen Stress an diesem Sonntag: Dicke Gewitterwolken hingen weiter am Himmel, während mein Wetter-Radar auch regenfreie Abschnitte vorher sagte. Also noch ein nettes Gespräch mit dem Chef des Hauses beim Frühstück, meinen Respekt ausgesprochen für die Zahl der an diesem Muttertags-Sonntag zu bewältigenden Reservierungen (mittags ~300 Gäste, der Grund für die ganze Klopferei) und dann weiter Richtung Süden. Probeweise am Rhein-Main-Donau-Kanal lang, der entschieden einfachste Weg, dann aber aus Gründen der landschaftlichen Attraktivität und vor allem der Bodenbeschaffenheit doch weiter Richtung Osten abgedreht und damit hinter Erlangen und Nürnberg her gehend.

Inzwischen nämlich bin ich der Meister der Untergrundsdetektion. Ohne hinzuschauen bin ich in der Lage – oder besser: sind meine Füße – in der Lage, auf Anhieb den jeweils aktuellen Untergrund zu ermitteln. In Kurzform: Waldboden ist herrlich, Schotter bzw. Split geht auch ganz gut, aber bei Asphalt macht es ziemlich schnell aua, weniger auf Fahrradwegen (weichere Mischung) als besonders entlang der Straße, was mir auch heute nicht erspart geblieben ist. Immerhin, die Sensibilitäten bilden sich gerade in ganz neue, vorher nie erahnte Richtungen aus, der Wanderkörper an sich entwickelt neue Antennen, auch was das Wegducken vor herannahenden LKWs oder Bussen betrifft.

So wächst auch das Gefühl fürs Wetter, was heute viele sonnige Löcher, aber eben auch so manchen gewittrigen Schauer im Angebot hat. Wie schön, wenn man an dieser Stelle SMS-Antwort seines alten Kollegen Thomas bekommt, das dieser quasi um die Ecke wohnt und ein Besuch auch am heiligen Sonntag kein Problem ist, sonder im Gegenteil willkommen. Also noch schnell die letzten 5 km Richtung Marloffstein weiter gewandert, mit Navis Hilfe auch abseits der Straße, und mit einsetzendem Gewitterschauer das rettende Ufer meiner heutigen Gastgeber erreicht. Die Belohnung: ein frisch bezogenes Bett, kühles Bier, eine persönliche Ansprache und ein Blick auf die weite fränkische Ebene Richtung Westen, wie er nur an schauerreichen klaren Tagen möglich ist. Mit dem Fernstecher (nein, kein Teil meiner Ausrüstung) waren die Details der Burg Nürnberg und das massive rote Dach der benachbarten Jugendherberge sogar aus fast 20 km Entfernung perfekt auszumachen. Da lacht das Herz des Immobilienfreundes, der wieder für sich denkt: Lage, Lage, Lage. Das ist es was zählt.

Ganz in die Großstadt zieht mich allerdings nichts morgen, ich bleibe lieber bei meinem Bogen um den großen industriellen Komplex Nürnberg/Fürth herum und genieße die Fernblicke weiter aus der Provinz. Nächste Großstadt ist dann erst München, inzwischen schon auf ca. 200 km heran gerückt, ein Katzensprung gegenüber den bisher schon erreichten Strecken. Geht es so weiter, so habe ich mit meinem Timing Richtung Venedig überhaupt kein Problem. Und die Füße sind willig aktuell, großartig! Allein die Schulter könnte langsam mal eine fachkundige Massage vertragen. Wer also noch Tipps in dieser Richtung hat für mich…

Morgen weiter Richtung Feucht/Altmühltal