Ende Gelände

Von Bad Langensalza nach Gotha und weiter nach Oberhof (2,3 km + 21 km Bahn + 29 km Bus)

Nun ist es passiert: Euer Wanderschaufel wartet auf den Zug, der ihn zum Sportarzt nach Gotha bringt. 1,6 km in Langensalza haben ausgereicht, um mich von meiner temporären Invalidität zu überzeugen. Ich kann allen Nachahmern und Gleichgesinnten nur empfehlen: Weniger ist mehr! Mein bisher doch recht gutes Tempo bezahle ich jetzt mit einer Auszeit bis Montag, mindestens.

Zink-Leim-Verband, das Mittel der Wahl beim Doc und für mich die Pflicht, ein Zimmer mit Badewanne zu finden, da leider Duschverbot. So sitzt er nun in Oberhof im Nebel (Chalet Sonnenhang, dass ich nicht lache!) und legt die Füße hoch, wie angeraten. Nun wissen wir alle, dass auch Meister Kerkeling auf seinem Weg eine „Überbrückung“ gewählt hat. (250km oder so, meine ich…) und ich mich jetzt also nicht dauergräme ob des unsportlichen Intermezzos, aber krank ist krank, da geht momentan einfach gar nichts.

Immerhin habe ich jetzt die Möglichkeit, aus meinem Fenster die ganzen Wandergruppen zu sehen, die sich aber so richtig ärgern über die Suppe hier am Himmel. Tun mir ja auch leid, ich habe wenigstens die Anweisung, mich drinnen im warmen um das Füßehochlegen zu kümmern. Aber wer über das Wochenende extra her gekommen ist, mag mit seinem Wettergott hadern.
Oder es als willkommene Essenszwangspause ansehen, wovon es wirklich reichlich geben muss. Das Format und die Leibesfülle der Menschen auf meinem Weg – und nicht erst in Thüringen – ist wirklich erschreckend. Da gibt es wohl doch ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land. Und auch wenn Vegetarismus und Veganertum abgeblich auf dem Vormarsch sind, als Bewertungskriterium von Gaststätten in ländlichen Gegenden zählt immer noch erstaunlich oft die „anständige Portion“. Ich finde das und den Anblick aufgedunsener Leiber dagegen im höchsten Maße unanständig. Achtet der Wanderer einfach mehr darauf, wie sich die Umgebung bewegt? Möchte er nicht am liebsten jedem zweiten Teenager den Gang a) zur Ernährungsberatung und b) zum Orthopäden empfehlen? Manchmal kommt es mir so vor.

Und was wird mir am meisten fehlen hier in der Exklave des Stillstands mitten im Sportgebiet Thüringer Wald? Der Raps und sein mich tagelang begleitender intensiver Geruch, jetzt zur Blüte. Teilweise war ich sogar ein bischen berauscht, dachte ich, aber das mag auch an seiner doch sehr einseitigen Farbgebung liegen, welche mich gerade ab dem Harz auf riesigen Feldern eingelullt hat.
Und natürlich der Griff zum iPhone zur Navigation. Ein festes Ritual unterwegs alle paar Kilometer. Und immer wieder mit der Erkenntnis, dass man auch bei langsamstem Schleichgang mit jedem Schritt immer weiter dem Ziel entgegen geht, wo immer es auch liegen mag.
Ich will immer noch nach Venedig…