Ran an die Alpen

Von Schäftlarn nach Bad Tölz (32 km)

Man könnte schon verzweifeln, wenn man die letzten 7 km zu seinem Tagesziel wieder einmal nur entlang der stark befahrenen, hier in der Gegend natürlich auch besonder schick motorisierten Landstraße ohne Rad- oder Fußgängerweg versehenen Straße auf dem Randstreifen entlang wandern muss. Welche Windschleppen so ein massiger SUV hinter sich herzieht und wie angenehm dagegen ein röhrender Porsche sein kann, der als Flachmobil zumindest den Sog auf die Fahrbahn nicht zu stark werden lässt: Danke, Ferdinand, dass deine Autos hier so geschätzt werden.

Dabei fing alles wieder so an, wie es am Vortag geendet hatte: Kiesige Wege entlang der Isar, der Duft von lebendigem Wald gepaart mit dem kalten Isar-Wasser, eigentlich perfekt an diesem erneut warmen und weitgehend sonnigen Tag. Und natürlich die perfekte Infrastruktur, mit gut gefüllten Biergärten in regelmäßiger Abfolge, die auch den weiterhin Ischias geplagten Wanderschaufel zu einer kurzen Rast animiert haben. Radler only, versteht sich. Aber die dann doch drei mal. Hoffentlich lerne ich in Italien wieder, meinen Durst auch ohne diese verlockenden Biermengen zu stillen, das kann sich dort nämlich preislich niemand leisten – und bei mir hat sich der Preis in Bayern gegenüber Unterfranken hier im Touri-Land so gut wie verdoppelt (Memories: Die Halbe Kellerbier hinter Bamberg 2€ Einheitspreis, mmmmmhh)

Ein Hotel hatte ich nicht reserviert in Bad Tölz, so dass ich erst mal in die Stadt gegangen bin, nach einem Zimmer Ausschau zu halten. Booking.com versprach das Zimmer im Kolberbräu an der Flaniermeile für 55€, was ich eigentlich zu teuer fand. Aber nach Inspektion der Örtlichkeit fielen mir auf den Außenplätzen des Hauses drei Männer in meinem Alter mit dicken Rucksäcken ins Auge, die auch auf Tour sind und in ebendiesem Hotel bereits gebucht hatten. Nachdem ich dann auch noch ihr nächstes Ziel erfahren habe bin ich einfach geblieben, denn auch diese drei niederbayrischen Jungs gehen morgen auf die Tutzinger Hütte, sie machen zumindest die erste Woche der Hamburg-Venedig-Route als Teilstück. Gut, sie haben Schneeschuhe dabei, was mich nicht wirklich beruhigt hat, aber sie wollen auch noch auf die Birkkarspitze mit 2750 Metern, was ich mir als Fernwanderer gut schenken kann, dafür ergibt sich bestimmt noch ein anderes Mal Gelegenheit.

Nun haben wir gemeinsam gut gespiesen, die Jungs sind früh ins Bett, weil sie auch rechtzeitig los wollen morgen. Ich dagegen fröhne noch meiner Chronistenpflicht und habe schon fast sicher entschieden, dass der erste Aufstieg in die alpinen Regionen morgen bei mir eine Seilbahnfahrt werden wird, wenn ich nicht noch einen kräftigen Prinzipienschub bekomme. Aber einmal muss doch auch dieser stets wunderbare Gondelblick erlaubt sein, denn bei allem Schiss, den ich mit vielen Menschen gemeinsam an einem Stahlseil hängend habe: Bergbahnfahren ist schon etwas tolles! Das letzte Mal war ein Rentner-Sessellift auf den Hausberg von Bad Lauterberg im Harz, vor 4 Wochen…

Morgen weiter über Lenggries auf die Tutzinger Hütte im Karwendel-Gebirge

7 thoughts on Ran an die Alpen

  1. Oh, da fehlte die Hälfte …. Schön, von dir zu lesen in den letzten beiden Tagen, so ausführlich und so anschaulich. Das mit den Schneeschuhen hat mir gefallen, das mit dem Singen im Wald und das mit der Uhr. Bleib deinen 48er-Schuhen (wow) gewogen und vertraue dem Stahlseil

  2. Juhuuuuuuuuu – er schreibt wieder 🙂 Schneeschuhe nun ja – hätte mich auch etwas irritiert :-0
    Das mit dem Blog schreiben ist genau dein Ding und Du solltest Dir diese liebgewonnene Angewohnheit auf jeden Fall in den Alltag nach Venedig mit „rüberretten“ abgesehen von dem Buch welches Du mit Aina zusammen schreiben solltest 😉 und ich hätte dann bitte eins mit Widmung 🙂

  3. Ich will auch ein Buch vom Wanderschaufel! Super Idea!!!! Und groesse 48 ist wirklich ’ne Nummer die sich sehen lassen kann! Weiter mein Freund, es ist ja nicht mehr weit.

  4. Wie gut ist eigentlich so ein Karwendel-Gebirge vernetzt? Kennen die da Funklöcher? Wer wohnt in der Tutzinger Hütte? Kann man sich in der Gegend auch ernsthaft verlaufen? Oder gibt es so unsagbar viel Atemberaubendes zu sehen, dass unserem fleißigen Chronisten die Worte fehlen könnten? Wahrscheinlich Letzteres … 🙂 Das wär gut.

  5. Servus Bruder, wo bleiben die Fotos? Will was sehen! Kühe im Dirndl und Ochsen in Lederhosen und deine großen Schuhe mit den kleinen Füsschen und ´ne sportliche Bruderfigur. Wo du wohl jetzt gerade steckst? Jedenfalls nicht mehr weit weg vom Ziel, dem Cappuccino auf dem Markuspatz. Da kannst du dann gleich eine Fahne hinstecken. „Bin da“. Lauf deine neuen Schuhe gut ein und denk an die Armen im Hamsterrad.

  6. Nach 1.000 km und ein Paar durchgelaufenen Schuhen bist Du so langsam ein „Wanderveteran“ und hast dir ehrlich die Anerkennung von uns Daheimgebliebenen und denen, auf deiner Strecke unterwegs, erlaufen! Tolle Leistung, bin begeistert. Nach so viel Klosterbier: Wie steht`s mit der inneren Läuterung? Mit dem In-sich-gehen? Die Mitte finden? Ich lese, Du sprichst von dir immer noch in der 3. Person und bist mit dir noch nicht auf Du-und-Du. Aber die Dankbarkeit und Freude über die kleinen Dinge im Leben lese ich gut aus deinen netten Geschichten heraus. Wir bereiten uns auf unseren Urlaub vor und packen morgen die Koffer. Dir wünsche ich weiterhin frohen Mut und gutes Gelingen auf deiner Wanderung. Freue mich schon, nach unserem Urlaub, deine Berichte weiterzuverfolgen. Liebe Grüße.

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