Steinböcke an der Wand

Von Bad Tölz zur Benediktenwand (17 km)

Nachdem meine neuen Bekannten aus dem tiefen Niederbayern schon früh aufgebrochen waren, habe auch ich mich an den Weg von der Tölzer Innenstadt die Isar entlang gemacht, weiter nach Lenggries. Von weitem schon hat sie mich angelacht, die Brauneck-Seilbahn und es war mir unmöglich, dieser perfekt gerade nach oben geschlagenen Schneise zu wiederstehen. 800 Höhenmeter sparen, das hat gereizt. Oben dann erst mal verspätetes, da nach 12 Uhr mittags, Weißwurstfrühstück im Panoramarestaurant. Nichts zu sehen, es war schon mächtig wolkig-undurchsichtig auf 1550 Metern. Entsprechend war die Menschenfülle ‚droben‘ ziemlich überschaubar. Imponiert hat mir eine Gruppe mit behinderten Menschen, die mit dem Rollstuhl nach oben gekarrt wurden, die letzten Meter aber allein gehen wollten und mit frenetischem Beifall bei jedem gelungenen Schritt bedacht wurden. Toll.

Mit den letzten Internet-Signalen noch das Regenradar gecheckt, ab 14.15 Uhr sollte es regnen. Na, man muss ja nicht alles glauben, vor allem, wenn man gerade nicht will. Also fröhlich um 13.45 losgegangen, erst flach, dann steil auf Geröllpfaden nach oben. Die Vorhersage hat auf die Minute gestimmt. Und 50 Minuten später wunderte sich die Schafherde, welche sich bereits mit einigem Glockengeläut angekündigt hatte, welcher Idiot sich da unter der Tanne geparkt hat, mit leicht rundem Rücken, dem Regenablauf geschuldet. Aber irgendwann haben sie mich dann passiert, nachdem ich höflich den Weg etwas weiter frei gemacht hatte. Und da weiters Warten auch nichts gebracht hätte bin ich irgendwann in fröhlichem Gekraxel und Gerölle die Felsen auf und ab gegangen, zwischenzeitlich nicht mal mehr den Weg im Regen findend. Da wurde es fast schon existenziell, aber das Wanderherz war groß genug zum Weitergehen, was auch sehr viel mit einem akuten Mangel an Alternativen zu tun hatte. Und wo der Wegweiser von 2,5 Stunden zur Tutzinger Hütte sprach habe ich glatte 4 gebraucht. Aber ich bin heile angekommen, immerhin, natürlich fix und fertig.

Dem Wetter hatte ich dann auch einen Einzelschlafplatz in einem 4er-Zimmer zu verdanken, es war einfach zu wenig los, da ließ sich Hüttenwirtin Elke erweichen. Und als sich dann nach den Niederbayern auch noch der Hüttenwirt Hans nach einer kurzen Abendrunde (!) über die Benediktenwand mit an den Stammtisch setzte war das Hüttenidyll komplett. Natürlich gab es zu Schnitzel und Bier wieder die üblichen Verständigungs-, zumindest aber Verständnisprobleme mit der jetzt quer durch Bayern gemischten Mundart, aber auch daran gewöhnt man sich. Und das Gespräch drehte sich dann nicht nur um die direkt vor uns 500 Meter aufragende Bene-Wand (Schwierigkeit 7-8, ab 6 beginnen die Überhänge…), sondern es ging weiter vom Anapurna-Massiv in Nepal, vom Kilimandscharo und von den verschiedenen Anden-Gipfeln, die das Wirtepaar in der Betriebsfreien zeit bereits bestiegen hat. Aufpassen muss der geneigte Norddeutsche, den hiesigen Heimat-Slang nicht mit Provinzialität zu verwechseln, das geht schnell in die Hose.

Mein Schlaf in dieser Nacht war der vielleicht beste bisher, nach Gebirgstour in dieser absolut reinen Bergluft kann man einfach nicht anders. Sogar der Ischias hat mal Pause gemacht, immerhin…

Morgen weiter nach Wallgau

2 thoughts on Steinböcke an der Wand

  1. „welcher Idiot sich da unter der Tanne geparkt hat“ – mein persönliches Bloghighlight – ich kann nicht mehr – Stefan bitte bleib dem Schreiben treu 🙂

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