Harzer Höhen

Von Goslar nach Altenau (18 km)

Der erste richtige Bergtag fing mit Kaffee im Fachwerkhaus meines Gastgebers an, alleine mit seinem Sohn, der sich mit Halsschmerzen nicht „schulreif“ fühlte. In der dritten Klasse auch noch nicht soo schlimm..nachdem ich mich verabschiedet hatte ging es um Goslar auf Höhenwegen herum, dann wartete das Tal der Oker. Und wenn ich auch nach Nebenstrecken Ausschau gehalten habe war es doch ein Aufstieg zum Oker-Stausee im Wesentlichen parallel zur Straße. Aber immer wieder ging es zu Strinklippen hi auf oder hinab, stetig das Rauschen der Oker im Ohr. Und es ging hoch und höher und meine Füße taten weher und weher, bis ich dann,meiner Karten-App ForeverMaps folgend auch noch eine zusätzliche Kuppe übersteigen durfte. Diese aber komplett alleine, ohne weiter Wanderer und mit sehr dichtem und dunklem Wald.

Mühsam nur ging es weiter hoch nach Altenau in den Gasthaus Quellenhof, wo ich ausgesprochen nett und herzlich empfangen wurde. Wie sich herausstellte, sind die Besitzer erst vor drei Jahren aus ihrem Angestellten-Leben ausgestiegen, um sich hier mit Pension und Restaurant selbständig zu machen. Liegt es an solchem Idealismus, den man mitbringt, damit man sich als Gast wohlfühlt? Warum findet man auf seinen Wegen durch die Provinz nur so viele griesgrämige Menschen, die dann auch noch meinen, ein Weizen auf den Tisch zu knallen wäre Service. Gott sei Dank ist es hier anders und das Zimmer geräumig, mit großem Waschbecken für die tägliche Rei-In-Der-Tube-Wäsche. Alles Verschwitzte wird sofort wieder gewaschen, das gehört inzwischen zur Routine wie auch das Ankommens-Weizen, welches sich meistens auch noch multipliziert. Um welchen Faktor sage ich hier natürlich nicht…

Morgen eventuell Ruhetag oder 24 km nach Bad Lauterberg >uff<

Auf zur Kaiserpfalz Goslar

Von Liebenburg bis Goslar (14 km)

Im Anmarsch auf den Harz ging es zunächst über die Felder, bis irgendwann Goslar anfing, aber trotzdem noch so mancher Kilometer an der Straße gegangen werden musste. Auch in dieser Erholungslandschaft zersiedelt sich die Industrie und die Baugebiete immer weiter raus. Obwohl wenn ich ja zu innerer Einkehr finden wollte, bisher ist das Gehen an sich Beschäftigung genug, wenn die Sehnen streiken.
Tatsächlich konnte ich dann meinen Rucksack im schicken Herrenmodengeschäft bei Herrn Helmbrecht abgeben. Erholung pur, ohne Gewicht laufen zu können. Mit Tipps ausreichend versorgt war es eine Freude, sich diese wirklich tolle Altstadt zu erlaufen und das UNESCO-Geld gut angelegt zu sehen. Die Kaiserpfalz unterstreicht ihre Bedeutung durch den stolzen Eintrittspreis von 7,50€, dabei ist an Bildern hauptsächlich Historismus aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, was mich die Führung dann vorzeitig abbrechen ließ, nach all Sachsen, Salingern, Hohenzollern etc.
Mein Couchsurfing-Gastgeber Alexander holte mich dann nach seinem Schichtende ab und gemeinsam haben wir für eine ordentliche Spaghetti Carbonara eingekauft, über die sich dann auch sein Sohn gefreut hat. Ungewohnt für mich, ein reiner Männerhaushalt für einen Abend. Toll, wen man so über couchsurfing.org kennen lernen kann. Alexander hat schon einiges an Erfahrungen und ist überhaupt in seiner Heimatstadt und für seinen Sohn ein sehr engagierter Mann, meinen Respekt. Danke nochmals!
Die beste Frage: Was machst du denn Walpurgis? Hier im Harz kennen alle die Nacht vor dem 1. Mai unter diesem Namen, ich brauchte Brauchtumsübersetzungshilfe.

Vor’m Couchsurfen allerdings kam in der City von Goslar aber auch noch der Barbier zu seinem Recht. Ein bisschen Pflege darf es ja gerne sein auf meinen langen Wegen, bin halt nur bedingt der ganz wilde Typ. Und auch mein Bart kommt zwischendurch wieder ab, meine geliebte Frau 😉

Morgen nach Altenau

Durch Salzgitter

Von Söhlde nach Liebenburg (27,6 km)

Der Morgen hat mit einem tollen Frühstück allein im Gästehaus Ottilienhof angefangen. Neue Zimmer im alten Bauernhaus, Nobelhütte, leicht bayerisch angehaucht. Nachdem am Vortag das einzige Restaurant geschlossen hatte und es nur Döner gab als einzige Alternative, hat mich das frische Brötchen und der Aufschnitt sehr gefreut.
Dann ca. 12 km Straße laufen bis Salzgitter-Lichtenberg, wo ich ja schon mal ein Jahr gearbeitet hatte. Im Lichtenberger Hof bin ich manches Mal abgestiegen, diesmal war es nur ein alk-freies Weizen bei Fam. Lewandowski, die mich aber wiedererkannt haben. Vorher noch die Rundumverarztung: Voltaren Pillen und Gel jetzt am Start, dazu ein Magenmittel, damit man das Zeug auch länger aushält, wonach es bei mir unbedingt aussieht.
Weiter dann durch einen zunächst eher langweiligen Wald, dessen Weg aber dann in eine MTB-Strecke überging, und die war über 3 km einfach nur noch Matsch! Das Leid habe ich mir dann mit zwei Radeljungs geteilt, die einfach nicht an mir als altem Schlammwanderer vorbei kamen.
Nach der Begegnung mit dem doch recht trüben Salzgitter-Bad -auffallend viele Herren mit ungepflegtem grauen Haar und Plastiktüten voller Bier – ging es dann am Golfplatz vorbei so richtig in den Harz hinein. Die Industrie habe ich irgendwie komplett umgangen und ich freue mich auf eine gute Zeit im Harz. Übernachtung mit diversen Monteuren etc. im Hotel zur Post.

Morgen dann Goslar mit Stadt- und Pfalzbesichtigung und danach Couchsurfing bei Alexander. Sein Großvater passt in seinem Herrenbekleidungsgeschäft auf meinen Rucksack auf, schon organisiert. Bin total begeistert 🙂

Ostermontag über Land

Von Peine nach Söhlde (17 km) am Ostermontag
(leider mit fehlenden Wegpunkten zwischendurch…)

Nach einer guten Nacht und einem noch besseren Frühstück bei meiner lieben Couch-Gastgeberin Connie bin ich unter drohenden Wolken weiter meines Weges nach Süden gezogen. Das richtige Vorsommer-Feeling will sich aber trotz 16 Grad noch nicht einstellen. Bin noch zu sehr mit meinem linken Fuß beschäftigt, der aber dank Mobilat und Ibu-Profen (Danke, Connie!) zumindest auszuhalten ist.
Die meiste Zeit der Strecke ging es an der Straße entlang, nur wenige Highlights waren zu entdecken. Hauptsächlich weite weite Landschaften mit Windspargeln und der Ahnung des Harzes im Hintergrund. Zumindest der Raps ist hier aber schon deutlich weiter als im Norden. Dafür scheint man sich hier in der Gegend weniger mit Tieren zu beschäftigen. Das war in der Heide mit vielen Kuh- und Hühnerställen und noch mehr Pferdehöfen schon anders. Die Menschen hier scheinen sich hier eher um ihre Rasenflächen und Vorgärten zu kümmern, wenn sie nicht gerade in der hiesigen Industrie arbeiten. Die allerdings will ich morgen möglichst umgehen und mir mal wieder eine waldreichere Strecke gönnen.

Morgen nach Liebenburg..

Ende der Heide, jetzt nach Peine

Von Bröckel nach Peine (24,3 km)

Warmes Ostersonntagwetter, kaputte Füße. Aber das Weizen schmeckt:-)

Dann zum ersten Mal mich auf Couchsurfing eingelassen, zu finden auf couchsurfing.com. Connie aus Peine hatte mir schon vor Wochen eine Übernachtung angeboten und nun saßen wir einen sehr netten Abend lang beim Italiener mit herrlichen Nudeln und einer weiteren Flasche philsophischem Rotwein auf ihrem Balkon. Diese Art der Gastfreundschaft ist wirklich mal eine digitale Bereicherung und es ist wunderbar, aufgeschlossene Menschen wie Connie treffen und auf solch einem Weg neue, interessante Menschen kennen zu lernen. Ich durfte das Zimmer ihres Sohnes belegen und habe mich sehr gefreut, nicht anonym in irgendeinem Gasthof/Hotel abhängen zu müssen. Empfehlenswert!

Morgen weiter nach Söhlde.

Kurz und schmerzvoll

Von Wienhausen nach Bröckel (8,3km)

Streckenmäßig war das nichts, aber nach einem herrlichen Abend bei Christine und ihrem köstlichen selbstgebrautem Bier kam heute morgen der Schmerz. Rechts überm Fuß ist aua, Mobilat soll es richten. Aber lieber nur ein kurzes Stück als sitzenbleiben. Immerhin schon wieder drei Dörfer weiter.
Zwischendurch auch noch Fußwechsel an den Walkingsticks, bei den edlen verstellbaren Wunderpads von Leiki guckte nur noch die überflüssige Metallspitze raus. Das ist dann klasse, durch kleine niedersächsische Bauerndörfer zu gehen und einen Rhythmus wie ein Bahnschwellenschraubenprüfer zu erzeugen, der alle anwesenden Kühe zu Höchstleistungen in der Milchproduktion bringt und die Menschen zu Stirnrunzeln. Viele alkerdings sind nicht auf den Straßen zu sehen, hier im Rest der Südheide.
Rettung nahte in Form eines Scheunentors, welches eine Werkstatt dahinter erahnen ließ und wo ich einen jungen Mechaniker mit meiner Wanderidee völlig aus dem Konzept gebracht hatte. Sodann: Metallspitzen weggeflext und neues Gummi aufgezogen. Die Profiltiefe sollte jetzt auch wieder beim TÜV Gnade finden. Fertig für weitere Großetappen, jetzt aber husch in die Sauna hier im VIVA Sporthotel.

An die Aller

Von Hermannsburg nach Wienhausen (34,8 km)

Was ein Schietwetter, jedenfalls zum Schluss. Vorher war es stundenlang mehr Drohung als nass.
Die dritte Etappe über 30 km hatte es in sich: Matschwege, Regenschauer und insgesamt sehr gastronomielos, so dass ich mein Budget gut sparen konnte für das formidable Ende im Mühlengrund Wienhausen. Ich habe mich sehr gefreut, meine Mitschülerin Christine vom Internat LSH in ihrem wirklich empfehlenswerten Gasthof zu treffen. Wer immer mal knapp rechts (östlich) von Celle unterwegs ist, dem sei eine Einkehr dringend empfohlen.
Der Abend war schon sehr besonders, insbesondere weil ich zukünftig nicht noch weitere Gastronomen-Freunde besuchen kann und von daher auf mich allein gestellt bin. Aber ich freue mich jetzt schon auf nette Couchsurfing-Kontakte, die mir mein Weiterkommen auch sozial bereichern und erleichtern mögen.

Morgen nur ein kleines Stückchen – von Wienhausen nach Uetze, so ca. 8 km. Dann Sauna – habe ich mir doch verdient, oder?

Panzerstraßen mit Gegenwind

Von Bispingen nach Hermannsburg (32,6km)

Heute bei meist sonnigem Wetter dem Wind kräftig entgegen gegangen. Übel zu spüren auf allen Freiflächen, und davon gabs einige. Erst aber ging es über 10km die Panzerstrasse auf dem Truppenübungsplatz längs. Keine Menschenseele unterwegs, komplett allein über die Breite Asphaltpiste ohne Markierungen. Irgendwie bizarr.
Und da es auch nirgendwo eine Einkehr gab, sitze ich jetzt im Ludwig-Harms-Haus Hermannsburg als einziger Gast, wo sonst die Missionare sich treffen.

Heute mal ein kleines Quiz für euch, liebe Leser: Wie hieß das Schiff, welches der Hausnamensgeber bauen ließ, um damit Missionare nach Afrika zu befördern? Der erste Kommentarschreiber mit der richtigen Lösung bekommt ein persönliches Andenken aus Venedig von mir mitgebracht! Wenn das nichts ist…

Morgen weiter nach Wienhausen. Es soll Regen geben, Mist

Bei Sonne entlang der Sandwege

Von Jesteburg nach Bispingen

Im Zeichen der Muschel

Im Zeichen der Muschel

Ein herrlicher sonniger Wander-Walking-Tag. Mit allen Klischees, welche die Lüneburger Heide bietet: Kutschen, Schäfer mit Schnucken, einsame Waldwege, malerische Niedrigwuchs-Felder ohne Farbe, öde Ausflugsgaststätten auf dem Stand und in dem Tempo der 70er Jahre. Bei 15 Grad aber perfektes „Die Welt ist auch mit dicken Eis-essenden Plärrkindern schön“-Wetter.

Immerhin: Die erste Großetappe mit 32 km. Und das auch noch auf dem Jakobsweg des Nordens, bin ca. 14km an dem Muschelzeichen lang gelaufen.

Morgen wartet das Gleiche. Aber außer einer gesunden Grundmüdigkeit und Beinschwere bisher keine Malessen. Auf das es so bleibe…

In die Nordheide

Im Weiteren unten die Strecke nach Jesteburg zu meiner Schwester Doris. Von Sottorf nach Jesteburg, den eigentlichen Anfang der Heide.