Pension Karin

Von Seßlach nach Breitengüßbach (28 km)

Was ein ödes Stück Weg! Nur Asphalt-Fahrradwege entlang der Itz, immerhin vorher noch die Alster(!) gequert. Auf Bamberg hatte ich mich gefreut, auf den Anmarsch nicht. Nun morgen noch 11 km (sehr kurz, in meiner aktuellen Zeitrechnung) und schon da.

Und wieder war der Wettergott mir hold, die ersten Tropfen kommen jetzt erst auf der Hollywood-Schaukel der Pension Karin, über die ich gerne mehr nach meinem Abendmal berichten werde, aber soviel sei verraten: Das selbst gebraute Bier – Zwickel genannt – schmeckt vorzüglich!

Und auch der zweite und dritte Krug geht hervorragend, wenn man in der lokalen Pizzeria bei Cola bleibt, so wie ich heute. Und dann erfährt man dabei, welche Rekorde in deutschen Pensionen aufgestellt werden. Dass ein Würzburger Monteur seit 35 Jahren jede Woche von Mo-Fr kommt, das fand ich schon sehr krass. Nach den drei Monaten jetzt kann ich gut auf darüber hinausgehende Fremdbettbeschlafung verzichten. Aber wenn man ständig bei booking.com unterwegs ist freut man sich diebisch auf neue Geschmacksverirrungen, wenn wieder vom ‚klassischen Stil‘ der Zimmer die Rede ist.

Hier bei Karin, meiner Wirtin in quietschroter Lederjacke und gewagt enger Rothose – man sieht sich beim hiesigen Trenditaliener mit langem Pferdeschwanz – erfahren alle Modeepochen zwischen den swinging 70ern und den massivholzenen 90ern fröhlichen Urstand, natürlich videoüberwacht, auch der Gartentich mit wasserspeiendem Frosch und vielen anderen lustigen Bewohnern. Der Abschuss sind die Fliesen im Bad, rosa Rosenblüten, das muss noch aus den frühen 60ern kommen.
Aber kommt man dann ins Gespräch – das geht ja erfreulich schnell hier in Franken, ganz im Gegensatz zu den Ländern Mitteldeutschlands – muss man aufpassen, diese vordergründig kleinbürgerliche Welt bloß nicht zu unterschätzen. In China und Australien kennt man sich aus, Hamburg ist bekannt incl. Madison-Hotel und überhaupt fühlt man sich in der Welt zu Hause, ohne auf seinen persönlichen Kitsch verzichten zu wollen. Ist das das Erfolgsgeheimnis dieser unserer Südregionen? Bestimmt ein Teil davon, wenn man die vielen HighTch-Unternehmen auf den Bauerndörfern unterwegs anschaut, an denen ich vorbei gekommen bin. Die Hidden Champions sitzen eben doch vermehrt von Scheunen umgeben am Dorfrand und bekommen dennoch gerne Besuch aus China, da habe ich schon zwei bis drei Delegationen sehen dürfen.

Morgen entspannt weiter nach Bamberg

3 thoughts on Pension Karin

  1. Na die 11 km legst Du doch sicherlich im leichten Trab zurück, oder? Nicht, dass Du in Bamberg vollkommen unterfordert ankommst und dann den Bewegungsmangel mit stundenlangem sightseeing kompensieren musst… Weiterhin alles Gute

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