Von Barbian nach Klobenstein (12 km)
Auch in der Höhe über der Eisack wurde es heute wieder gnadenlos heiß. Und nachdem ich im fröhlichen Schnack mit meinen Wirtsleuten mal wieder den frühen Aufbruch verpasst habe – die Socken waren auch noch nicht ganz trocken – hat mich jeder der 650 Höhenmeter extrem viel Schweiß gekostet. Aber irgendwann läuft es überall runter und dann ist es auch egal, immerhin ist die entstehende Kühlung ja recht vernünftig organisiert. Und da mir mein Körper inzwischen viel näher ist als vor dem Aufbruch darf er das. Weil er es kann.
Trotzdem schön, auf der ersten erreichten Höhe einen traumhaften, von kundiger moderner Hand gestalteten riesigen Garten mit Rosen, Lupinen und Johannisbeersträuchern zu sehen, der mich magisch anzog. Sah zwar nicht nach Gasthof aus, aber ich habe mal die schicke Chefin am Rasenmäher kurz gefragt, ob es einen Cappucino für mich gäbe. Natürlich gab es den, mit einer großen Karaffe Wasser dazu – und später dem ganzem Garten für mich allein. Denn Frau Ursula, die Hüterin der Designer-Apartments, die in diesem alten Gemäuer entstanden sind fuhr zum Mittagessen, weiter Gäste waren nicht zu sehen, ich dafür als Fernwanderer eingeladen auf den Kaffee und auf ein beliebig langes Verweilen. Ein wirklich kraftvoller Ort mit uralter Kapelle im Hintergrund, der auch ohne Ausblick davon berichtete, dass sich die Menschen dort seit Jahrhunderten wohlfühlen und neue Energie tanken. Der Penzlhof hat natürlich auch eine Webseite, bevor ich jetzt meine bescheidenen Bilder hier reinstelle. Prädikat empfehlenswert.
Ja, Urlaub könne sie hier, die Leute. Immer nett, persönlich und aufmerksam. Die Wirte, meine ich, nicht unbedingt die Gäste, die sich teilweise aufführen, als ob es nach wie vor besetztes Gebiet von Deutschland sei [Kann sich jemand an Zahnschmerzen erinnern, ein Film so aus 1975 circa, der mit der Idee von Südtirol als Teil eines siegreichen deutschen Reichs spielt? Der erste Mann auf dem Mond natürlich Reichsdeutscher, hihi]. Da ist die Frage nach adäquaten Poliermethoden für das Auto wichtiger als die Beschäftigung mit Land und Leuten, was zumindest von den Gastgebern lächelnd hingenommen wird, ich aber manches Mal schon als peinlich empfunden habe.
Abseits der Einkehrmöglichkeiten ist mein Weg aber weiterhin großteils allein, mit mancher Extraschleife durch phantastische Kastanienwälder und wilde Fels-Sand-Stalagmiten mit Steinhaube drauf, um die letzten Tage in den Bergen auch richtig auszukosten, das muss sein, das hatte ich mir genau so vorgestellt. Und daher wird es morgen auch wieder einen Wander-Ruhetag geben. Die Hitze im Tal kommt früh genug und ich bin immer noch vor meinem Zeitplan. Inzwischen gibt es Stimmen, die mir das Weiterlaufen über Venedig hinaus empfehlen, aber das wird nichts, ich habe meine pünktliche Rückkehr schließlich versprochen. Und das muss auch so sein, denn ich will zukünftig nicht zum Ahasverus mutieren, der Alltag in Hamburg darf mich gerne wieder sehen, wenn ich ihm auch erst mal wieder neue Struktur geben muss bzw. darf.
Morgen Pause, die Hitze abwettern, dann runter nach Bozen
Und nach dem abiball lad ich dich ein zum roseeee im Weinberg