Fränkischer Samstag

Von Bamberg bis nach Trailsdorf (27 km)

Laut ist es in Franken. Nicht allein beim Frühstück in der teueren, aber sehr gepflegten Pension am Dom heute früh, auch jetzt, heute Abend in meiner Rettungsherberge Schwarzmann in Trailsdorf. Hier war nichts gebucht, hierher ging es auf der Flucht vor dem aufkommenden Regen, der leider meinen bis Forchheim geplanten Weg etwas verkürzt hat. Da muss man eben mal spontan sein und sich freuen, dass die Zimmer unter dem hohen Dach des Gasthauses nicht belegt sind und ich quasi eine fränkische Etage für mich allein habe.
Aber warum schreit man hier ständig? Das fing schon in Bad Rodach an und es setzt sich fröhlich fort, je tiefer ich Richtung Süden komme. Aber vielleicht empfinde ich den Zungenschlag an sich auch nur als sehr sehr laut, zumal in der Gaststube meiner heutigen Unterkunft, die eher als Saal denn als gemütlicher Gastraum zu bezeichnen ist. Man trinkt sein. Bier eben gemeinsam. Nur die Auswahl fällt schwer, da wirklich in jedem Kaff eine eigene Brauerei zu finden ist, mit Ausstößen deutlich unter 10 hl in der Woche. Aber jede Sorte hat ihre Liebhaber und als durstiger Wandersmann habe ich mit dem Probieren der einzelnen Varianten momentan so gar kein Problem. Besonders, wenn ein Dach lockt bei diesem unsteten Himmel.

Man muss aber auch festhalten, dass die heutige Tour von guten Mächten wunderbar behütet war, denn es war wieder ein Tag auf dem Jakobsweg, der dann leider ab Nürnberg Richtung Westen abbiegt (Rotenburg o.d.T.). Aber erst einmal gab es viele richtig alte Jakobssteine entlang des Weges, teilweise völlig unvermittelt im Feld stehend. So etwas bewegt den einsamen Wanderer auch in unseren Zeiten durchaus, wie es auch die Gedanken an diejenigen stärkt, die in früheren Jahrhunderten den Weg gegangen sind. Auch wenn mich momentan nichts nach Santiago di Compostela zieht: Die Tatsache, zum zweiten Mal
ein Stück auf dem Jakobsweg zu gehen ist schon ein Highlight, und ich werde versuchen, dieses Weggefühl bis über die Alpen hinweg zu retten.
Ansonsten: immer mehr ‚Kuckuck‘ ist aus dem Wald und von dessen Rändern unterwegs zu hören, ständig. Kann vielleicht mal jemand was über dessen Brunftzeit herausfinden? Scheint gerade aktuell zu sein. Ich kann mich aktuell nicht weiter um solche Recherchen kümmern, sondern muss mich heute Abend ganz auf den ESC konzentrieren, zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht auf unserer Terrasse. Ob das lustiger ist, in der Herberge irgendwo im Nirgendwo? Zweifelhaft, nächstes Jahr singe ich wieder zuhause mit!

Morgen gehts es hoffentlich durch bis Marloffstein hinter Erlangen. Route steht noch nicht fest, das Wetter wird bestimmender Faktor

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